Wohin bewegt uns Corona

Themenübersicht:

Corona, Körper und Containment
(von Sebastian Thrul)

Eine der eindrücklichsten Erfahrungen der Pandemie ist das gleichzeitige Kippen zahlloser Menschen in Funktionsmechanismen der paranoid-schizoiden Position. Obwohl – oder vielleicht gerade weil – unser Wissen über das Virus bestenfalls als lückenhaft bezeichnet werden kann, beurteilten viele von uns recht unmittelbar, wer sich in unserem Umfeld richtig oder falsch verhält, wer paranoid oder wer naiv mit der Situation umgeht.

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Endlichkeit und Entschleunigung
Wie wird die COVID-19-Pandemie unsere Gesellschaft verändern?
(von Daniel Sollberger)

Zu wenig Zeit für zu viel Welt. Dieser Kerngedanke des Münsteraner Philosophen Hans Blumenberg, wie er ihn in seinem Buch «Lebenszeit und Weltzeit» (1986) ausführt, bringt – oder sollten wir jetzt angesichts der COVID-19-Pandemie sagen, brachte – eine Problematik unserer Zeit auf den Begriff. Und zwar setzte er dem Hippokratischen Dilemma eines kurzen Lebens nicht bloss die langen Zeiten von Kunst und Wissenschaft entgegen («vita brevis, ars longa»), sondern weit mehr die Weltzeit. Sie ist der immense Gegenspieler unserer irdischen Zeitverhältnisse, welche den «konstitutiven Zeitmangel des Organismus Mensch» (Blumenberg 2001, S. 269) in aller schroffen Evidenz vor Augen führt.

Endlichkeit und Entschleunigung Wie wird die COVID-19-Pandemie unsere Gesellschaft verändern? Daniel Sollberger


Eine Krise der Entfremdung
(von Christian Kläui)

„There is a crack in everything, that’s how the light gets in“
Leonard Cohen

In diesen Tagen gibt es wohl kaum ein Gespräch, in dem nicht die Coronapandemie zum Thema wird. Man muss begreifen, man muss verdauen, man muss sich einrichten – wir tun dies, indem wir sprechen, sprechen, sprechen, schreiben und lesen.

Der Grund dafür ist gewiss nicht nur die Angst vor einer Ansteckung, die uns und unsere Nächsten bedroht, und auch nicht, dass die Sache unter den verschiedensten Aspekten einfach sehr interessant ist. Elementarer ist etwas Unentrinnbares, mit dem wir in diesen Krisenzeiten alle konfrontiert sind und das wir verarbeiten müssen: Eine Entfremdung.

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Das Gespräch, das über Corona wortet, ortet den Körper weiter weg als sonst.
Une « réponse » à Christian Kläui.
Von Gérald Personnier

Christian Kläui hat einen tiefsinnigen und schönen Beitrag geschrieben und diesen als Geschenk für uns auf der Webseite des Institutes veröffentlicht:

Eine Krise der Entfremdung. Gerne, wenn er sich schon die Zeit dafür nimmt, uns an-zu-schreiben, nehme ich mir die Zeit an-zu-worten.

Kläui macht darauf aufmerksam, dass die Benennung, (Namensgebung) uns Menschen in eine Welt von vorhandenen Gesetzen wirft. „Jedes Menschenwesen wird in eine Welt geboren, die ihm Namen gibt, angefangen mit dem Eigennamen, und Eigenschaften zuschreibt.“ Wir sind in der alltäglichen Sozialität immer schon in einer „komponierten Zuschreibung“. Diese Zuschreibungen prägen unsere psychische Struktur und damit unseren Körper. Als Mensch sind wir in die Mitwelt gewoben.

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Der unvergessliche Frühling
Elisabeth Lange

Die schöne Magnolie – so stark
Steht ohne Erschüttern – autark
An Ort und Stell’ im Jahr
Ganz unbeirrbar klar
Erstrahlt in ganzer Pracht
durch blauen Himmel lacht
Das Kleid ein weiss‘ Gefieder
In jedem Frühling wieder

Im Frühjahr zwei zwanzig sie eisern besticht
Voll Inbrunst und Klarheit s Versprechen nicht bricht…

Und blüht…als wär nichts geschehen…
Und blüht…als könnt nichts vergehen…

Versucht jene Herzen
voll Leid, voller Schmerzen
Zu trösten – so stet
Auch wenns Leid nicht vergeht
In der Stille, so schwer
Bleibt blühend sie mehr
Im Frühling zwei zwanzig, wo alles in Frage
Wo alle im Stillen zählen die Tage
Wo der Kinder Gekicher
Und rein gar nichts mehr sicher

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