Petra Zell Roth

Petra Zell Roth - Präsidentin

Das Anordnungsmodell begrüsse ich sehr als einen ersten Schritt zur Verbesserung psychotherapeutischer Versorgung und zur Aufhebung des seit 1981 bestehenden Provisoriums. Zwei Gedanken beschäftigen mich dabei sehr.

Durch die Vernehmlassung zum Anordnungsmodell rückt die Leistung Psychotherapie in der Schweiz (endlich) in den Fokus der Aufmerksamkeit. Ich hoffe, dass die vielen Reaktionen darauf zu einem konstruktiven Prozess und Ergebnis führen. Es scheint, als sei Psychotherapie in ihrer Komplexität gesundheitspolitisch bislang wenig erfasst. Die Neuregelung fokussiert auf organisatorische Aspekte und potentielle Kostenfolgen. Die drei anerkannten Psychotherapierichtungen haben unterschiedliche theoretische Grundlagen und technische Rahmenbedingungen. Dies zu berücksichtigen ist zentral bei der Wahl der jeweils passenden Psychotherapie, ist jedoch im vorliegenden Entwurf zum Anordnungsmodell noch zu wenig enthalten: Dimensionale Diagnostik, Indikationsstellung, Reflektion über Therapieziele und -planung, Erfassen von Therapieverläufen und -prozessen sind zwingend, ob nun Psychiater*innen oder Psycholog*innen die Behandler*innen sind.

Die verbindliche Auseinandersetzung mit der Qualitätsentwicklung, gefordert im neuem Artikel 58a KVG und voraussichtlich in Kraft per 1. Januar 2021, sollte bestehende Ergebnisse der Forschung nicht übergehen: Z.B. weist die LAC Studie (PSYCHE, Heft 02/Februar 2019 – Klett-Cott) zu der aktuell im Zentrum des Interesses stehende Frage nach «erfolgreicher psychotherapeutischer Behandlung» schwerer depressiver Erkrankungen, die Zusammenhänge zwischen der Dauer einer Therapie und der signifikanten Veränderung depressiver Zustände nach. Qualitätssicherung geht nicht ohne inhaltliche Überlegungen. 

Die AZPP-Weiterbildung zeigt, dass der intensive Austausch zwischen beiden Berufsgruppen Ärzt*innen und Psycholog*innen sehr bereichernd ist und geschätzt wird. Beide bringen aufgrund der Grundstudien und nachfolgenden Erfahrungen unterschiedliche Voraussetzungen mit. Ziel ist es, für beide Berufsgruppen eine Weiterbildung bestmöglicher psychotherapeutischer Kompetenz zu ermöglichen. Es besteht die Gefahr, dass ein konkurrenzierendes Klima geschürt wird, indem beide Berufsgruppen, in Sorge um negative Entwicklungen und Konsequenzen durch das Anordnungsmodell, bei rivalisierenden Blickwinkeln die eigenen Vorzüge in Stellungnahmen betonen. Dem möchten wir weiterhin entschieden entgegenstehen.